Bernhardiner
Merkmale







Herkunft
Der Bernhardiner hat seinen Ursprung im Großen Sankt Bernhard, dem alpinen Gebirgspass, der die Schweiz mit Italien auf einer Höhe von über 2.400 Metern verbindet. Im 11. Jahrhundert gründete der Mönch Bernhard von Menthon in diesem Pass ein Hospiz, um verirrten Reisenden in Schneestürmen Zuflucht und Hilfe zu bieten. Die Hunde des Hospizes, Nachkommen der großen römischen Mastiffs, die die Legionäre in die Alpen gebracht hatten, wurden eingesetzt, um verirrte oder von Lawinen verschüttete Reisende zu suchen und zu retten.
Der Bernhardiner erlangte weltweiten Ruhm durch die Legende – obwohl historisch nicht belegt – des Hundes, der ein Fässchen Brandy um den Hals trug, um Verunglückte wieder zu beleben. Der berühmteste Hund in der Geschichte der Rasse war Barry, der zwischen 1800 und 1812 an der Rettung von mehr als vierzig im Schnee eingeschlossenen Menschen beteiligt war. Die offizielle Anerkennung der Rasse durch die FCI erfolgte im 19. Jahrhundert.
Heute ist der Bernhardiner einer der bekanntesten Hunde der Welt, obwohl er nicht mehr aktiv in der Bergrettung eingesetzt wird. Heute wird er hauptsächlich als Familien- und Begleithund geschätzt, und die Mönche des Hospizes am Großen Sankt Bernhard halten eine kleine Kolonie der Rasse als Tribut an diese Geschichte.
Eigenschaften und Fähigkeiten
Der Bernhardiner ist ein Hund gigantischer Größe, mit einem massiven, muskulösen und gut proportionierten Körper. Der Kopf ist imposant, breit und mit reichlich Faltenbildung um das Maul. Die Augen sind dunkelbraun mit einem Ausdruck von Güte und Ruhe, was eines der meistgeschätzten Merkmale der Rasse ist. Die Ohren sind mittelgroß, dreieckig und hängend. Es gibt sowohl eine Kurzhaar- als auch eine Langhaarvarietät, beide gleichermaßen nach dem Standard anerkannt.
In Bezug auf das Temperament ist der Bernhardiner für seinen ruhigen, geduldigen und tiefgründig gütigen Charakter bekannt. Er zeigt selten Aggression, obwohl seine bloße Anwesenheit ausreicht, um jeden Eindringling abzuschrecken. Er ist besonders für seine Beziehung zu Kindern beliebt, gegenüber denen er schützend, tolerant und sanft ist. Er passt sich gut an das Familienleben an, sofern ausreichend Platz vorhanden ist.
Ein bemerkenswertes Merkmal des Bernhardiners ist seine Neigung zum Speicheln, besonders wenn er auf Futter wartet oder bei heißem Wetter. Dies ist eine natürliche Folge seiner hängenden Lippen und sollte als Teil des Charakters der Rasse akzeptiert werden. Es ist auch ein Hund, der beim Lernen langsam sein kann, nicht aufgrund mangelnder Intelligenz, sondern aufgrund seiner überlegten und ruhigen Natur.
Pflege
Die Pflege des Bernhardiners variiert je nach Fellvarietät. Die Langhaarvarietät erfordert mehrmaliges Bürsten pro Woche, um Verfilzungen zu vermeiden, besonders an Reibungsstellen. Die Kurzhaarvarietät erfordert weniger Pflege, profitiert aber ebenfalls von regelmäßigem Bürsten. In beiden Fällen ist der Haarwechsel im Frühling und Herbst stark und erfordert mehr Aufmerksamkeit. Das Baden wird alle vier bis sechs Wochen empfohlen.
Die Bewegung des Bernhardiners sollte moderat und altersgerecht sein. Es ist wichtig, die Gelenke während des Wachstums nicht zu überlasten – das sich bis zu zwei Jahren erstreckt. Im Erwachsenenalter reichen ein bis zwei tägliche Spaziergänge von dreißig bis fünfundvierzig Minuten aus. Der Bernhardiner verträgt Hitze schlecht, daher sollte Bewegung in den heißesten Stunden des Tages vermieden werden.
Die Ernährung sollte hochwertig und speziell für Riesenrassen geeignet sein: mit ausgewogenem Kalzium- und Phosphorgehalt für eine gesunde Knochenentwicklung und einem mäßigen Kalorienangebot zur Vermeidung von Übergewicht. Die tägliche Ration sollte auf zwei bis drei Mahlzeiten aufgeteilt werden, um das Risiko einer Magendrehung zu reduzieren.
Häufigste Krankheiten
Hüft- und Ellbogendysplasie ist die häufigste orthopädische Erkrankung beim Bernhardiner, die direkt mit seinem enormen Gewicht zusammenhängt. Sie kann bereits in jungen Erwachsenenjahren chronische Schmerzen und Bewegungseinschränkungen verursachen. Die Aufrechterhaltung eines gesunden Gewichts von Anfang an, mäßige Bewegung und regelmäßige Röntgenuntersuchungen sind für die Prävention unerlässlich.
Die Magendrehung (GDV) ist ein weiterer potenziell tödlicher Zustand bei großen Rassen mit tiefer Brust. Der Magen dehnt sich aus und kann sich verdrehen, was den Blutfluss unterbricht und innerhalb weniger Stunden einen Schock verursacht. Die Aufteilung der Mahlzeiten auf zwei bis drei tägliche Portionen und Ruhe vor und nach dem Fressen reduzieren das Risiko. Osteosarkom (Knochenkrebs) kommt bei Riesenrassen ebenfalls häufiger vor und betrifft meist die Gliedmaßen.
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